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Internationales Forschungsteam beginnt mit der Entflechtung von positiven und negativen Ökosystemdienstleistungen in Kakao-Agrarökosystemen

Internationales Forschungsteam beginnt mit der Entflechtung von positiven und negativen Ökosystemdienstleistungen in Kakao-Agrarökosystemen

Kakaosamen Kakaosamen Kakaosamen
Kakaosamen (Fotokredit: Pixabay)

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist auf die biologische Vielfalt angewiesen, um wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung zu erbringen. Einige Tiere erbringen jedoch auch negative Leistungen, indem sie Nutzpflanzen schädigen oder die Erträge verringern. Die Quantifizierung des relativen Nutzens und der Verluste durch verschiedene Tiergruppen ist der Schlüssel zur Bewertung potenzieller Kompromisse bei der Bewirtschaftung und Abschätzung von Wechselwirkungen in nachhaltigen Agrarökosystemen. Trotz der Bedeutung von Kakao für Kosmetika, Getränke und (natürlich!) Schokolade ist wenig über die quantitativen Auswirkungen der biologischen Vielfalt auf die positiven und negativen Ökosystemleistungen in Agroforstsystemen für Kakao bekannt.

Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Justine Vansynghel - Wissenschaftlerin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg - und Carolina Ocampo-Ariza - Wissenschaftlerin an der Georg-August-Universität Göttingen - schließt diese Wissenslücke in ihrer jüngsten Veröffentlichung in Proceedings of the Royal Society B mit dem Titel "Quantifying services and disservices provided by insects and vertebrates in cacao agroforestry landscapes". Ziel der Studie war es, positive wie negative Ökosystemleistungen in Kakao-Agroforsten zu quantifizieren, indem Ausschlussversuche durchgeführt wurden, um bestimmte Tiergruppen am Zugang zu Kakaobäumen zu hindern, und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Fruchtansatz, den vermarktbaren Ertrag und den Fruchtverlust zu messen. Die Autoren konzentrierten sich auf die Einflüsse von Vögeln, Fledermäusen, Eichhörnchen, Fluginsekten und Ameisen.

Neben der Bedeutung der Tiere auf die Kakaoproduktivität bewertete das Forschungsteam auch die Auswirkungen der Beschattung durch Nicht-Kakaobäume in den Agrowäldern und die Entfernung zu anderen Wäldern. Die Studie wurde in 12 ökologischen Kakao-Agroforsten im Nordwesten Perus durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Vögel, Fledermäuse und Fluginsekten den Kakaoertrag fördern, indem sie den Fruchtansatz und den marktfähigen Ertrag steigern. Der Zugang von Fluginsekten, Vögeln und Fledermäusen zu den Kakaobäumen und -blüten erhöhte den Fruchtansatz. Die Befruchtungsleistung durch Fluginsekten war insbesondere in Kakaowäldern mit einem mittleren Beschattungsgrad am stärksten.

Die Studie ergab jedoch auch, dass Ameisen und Eichhörnchen in Zusammenhang mit negativen Effekten stehen. Interessanterweise stiegen zwar die Erträge in Kakaowäldern, die in der Nähe anderer Wälder lagen, wenn Ameisen vorhanden waren, aber die Ameisen verursachten auch einen jährlichen Fruchtverlust von etwas mehr als 9 kg/ha. Eichhörnchen hingegen verursachten ausschließlich Fraßschäden. Durch den Fruchtfraß verringerten sie den Ernteertrag von reifen Früchten um durchschnittlich 10 %. Trotz dieser Zugeständnisse überwogen die von Vögeln sowie Fledermäusen (fast 180 kg/ha) und Fluginsekten (etwa 270 kg/ha) bewirkten jährlichen Ertragsvorteile die durch Ameisen und Eichhörnchen verursachten Ertragsverluste.

Insgesamt unterstreichen die Autoren, wie wichtig es ist, bei der Entwicklung von Bewirtschaftungsstrategien für Kakao-Agrarwälder sowohl die positiven Leistungen als auch die Nachteile der Ökosystemdienste zu berücksichtigen. Um den Nutzen der biologischen Vielfalt zu erhöhen, geben die Autoren einige Empfehlungen. Da Ameisen nur in Kakao-Agrowäldern in Nähe anderer Wälder mit positiven Ertragsleistungen in Verbindung gebracht wurden, betonen die Autoren die Bedeutung des Schutzes oder der Wiederherstellung von Waldflächen, die nur wenige hundert Meter von Kakao-Agrowäldern entfernt sind. Sie weisen auch darauf hin, dass die Aufrechterhaltung einer mittleren Beschattung der Baumkronen wichtig für die Populationen von Fluginsekten ist, die zum Fruchtansatz des Kakaos entscheidend beitragen. Diese Studie ist ein wichtiger erster Schritt zur Klärung der komplexen biodiversen Wechselwirkungen in Kakaowäldern.

Weitere Informationen über die Forschung des Teams auf Englisch und Deutsch.

Original Publikation: J Vansynghel et al. 2022. Quantifying services and disservices provided by insects and vertebrates in cacao agroforestry landscapes. Proc. R. Soc. B 20221309. https://doi.org/10.1098/rspb.2022.1309

Vielen Dank für die deutsche redaktionelle Unterstützung durch Petra Melloh.