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Landschaftsforschung

Forschungsgegenstand

Lüneburger Heide
Lüneburger Heide

Unsere heutige Landschaft ist das Ergebnis eines seit Jahrmillionen andauernden Prozesses des Zusammenwirkens abiotischer und biotischer Faktoren. Geologie, Klima, Relief, Boden, Wasserhaushalt, Vegetation, Tierwelt und menschliche Einflüsse sind die bestimmenden Parameter. Eine Landschaft ist dementsprechend nicht statisch, sondern einem stetigen Wandel unterworfen.

Das Bild der Landschaft wird vom Menschen bewertet; es wird statisch gesehen, obwohl natürliche Prozesse es ständig weiter verändern. Es gibt Landschaften, die als „Natur“ aufgefasst werden. Dabei wird eine Doppelbedeutung dieses Begriffes sichtbar: Natur ist einerseits der natürliche Prozess des Wandels, andererseits das, was Menschen für eine statische Natur halten. Auch „naturnahe Landschaften“ oder „Kulturlandschaften“ sind Bezeichnungen, die aus der Bewertung einer für statisch gehaltenen Landschaft abgeleitet werden. Wenn von „Naturschutz“ die Rede ist, kann damit der unter dem Einfluss des natürlichen Wandels stehende Prozessschutz gemeint sein oder die Bewahrung einer für Natur gehaltenen Landschaft. Dieser Widerspruch ist zu lösen.

Folgende Forschungsfelder werden in diesem Zusammenhang aus dem Blickwinkel der Geobotanik bearbeitet:

  • Geschichte der Landschaft
  • Dynamik der Landschaft und Prozesse des Landschaftswandels
  • Spezifische Formen der land- und waldwirtschaftschaftlichen Nutzung
  • Szenarien der Landschaftsentwicklung

Laufende Projekte

Einkorn
Kulturgetreide (hier Einkorn) zeichnet sich durch große Körner mit hohem Stärkegehalt und eine stabile Ährenachse aus, die bei der Reife erhalten bleibt

Erarbeitung eines Bandes der Reihe „Landschaften in Deutschland“ über Emden und die Krummhörn (Förderung durch die Stiftung Niedersachsen)

In Kooperation mit dem Institut für Länderkunde in Leipzig wird ein Band der traditionsreichen Publikationsreihe „Landschaften in Deutschland“ vorbereitet, der die Stadt Emden und die Marschregion der Krummhörn behandeln soll. In dieser Gegend sind in den letzten Jahrzehnten umfassende Darstellungen zu Landesgeschichte und Landschaft vorbereitet worden. Sie bilden gemeinsam mit erneuten Geländeaufnahmen die Basis für die Zusammenstellung des Buches. Es kommt besonders darauf an, nicht nur isoliert die Natur oder die Besiedlungsgeschichte zu betrachten, sondern die Zusammenhänge zwischen natürlichen Faktoren sowie menschlichem Handeln und Siedeln darzustellen. Auch das Umland der Stadt Emden ist seit Jahrhunderten urban geprägt. Denn eine Besiedlung der baumlosen Marschen war ohne die Etablierung eines Handelsnetzes nicht möglich, das Menschen in der Stadt und Menschen „auf dem Land“ in einen intensiven Kontakt brachte. Spuren dieses städtischen Einflusses auf die Marsch sind z.B. Kunstwerke in den mittelalterlichen Kirchen der Gegend; sie zeigen, dass die Überschüsse aus der Landnutzung stets erheblich gewesen sein müssen, so dass sich die Bewohner der Region den Erwerb von zahlreichen Importgütern leisten konnten. Das Buch wird im Böhlau Verlag (Köln/Weimar) erscheinen.

 

Überarbeitung des Buches „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“

Die zusammenfassende Darstellung der Landschaftsgeschichte von Mitteleuropa beruht mittlerweile auf Materialaufnahmen, die bis zu zwanzig Jahre zurückliegen. Mit dem Verlag C.H. Beck Verlag ist vereinbart, dass eine grundlegende Überarbeitung des Buches erscheinen soll, wenn die Restexemplare der drei älteren Auflagen ausverkauft sind; dies wird im Lauf des Jahres 2010 der Fall sein.

 

Darstellung einer Geschichte der Kulturpflanzen

Für den Anbau von Kulturpflanzen sind Landschaften an vielen Orten der Welt erheblich verändert worden. Man bewässerte Felder, oder man rodete Wälder, um Felder anzulegen. Die Pflanzen, die man in den letzten 10000 Jahren anbaute, mussten bestimmte Merkmale aufweisen: Sie mussten nicht nur große Mengen an nahrhaften Inhaltsstoffen enthalten (Kohlehydrate, Fette oder Proteine), sondern reife Früchte oder Samen mussten so lange an der Pflanze haften bleiben, bis alle Samen reif waren. Weil an Wildpflanzen Samen und Früchte in der Regel nicht zur exakt gleichen Zeit reif werden, waren die Gewächse vor allem in dieser Hinsicht auszulesen: Jahrtausendlang wurden vor allem diejenigen Pflanzen gesammelt, an denen noch möglichst viele reife Samen oder Früchte hafteten. Auf diese Weise wurde eine Form der Auslese betrieben, die der natürlichen Selektion entgegen lief. Die Darstellung soll als Buch erscheinen.

 

Projekt „Biodiversität interaktiv“ (Kooperationspartner des Instituts für Didaktik der Naturwissenschaften; Förderung durch die Bundesstiftung Umwelt)

Es werden Grundlagen für die elektronische Bestimmung von Tieren und Pflanzen erarbeitet, derzeit in einem Pilotprojekt. Dem Institut für Geobotanik obliegt hierbei vor allem die fachliche Beratung des Projektes, bei dem biologiedidaktische Gesichtspunkte im Mittelpunkt stehen.

Abgeschlossene Projekte

Wörlitz
Die Wörlitzer Anlagen entstanden in einer Flusslandschaft der Elbe. Aus einem alten Flusslauf wurde der Wörlitzer See als Zentralteil des Parks.

Landschaftslesebuch „Gartenreich Dessau-Wörlitz“ (Förderung durch das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt)

Auf der Grundlage des theoretischen Ansatzes, dass Landschaft durch natürliche Prozesse, Gestaltung durch den Menschen und durch Ideen oder Metaphern bestimmt wird, wurde ein Landschaftslesebuch für das „Gartenreich Dessau-Wörlitz“ geschrieben. Das Gebiet liegt in einem saalekaltzeitlichen Urstromtal, in dem heute die Elbe verläuft. An den Rändern des Tales sowie besonders an der in die Elbe mündenden Mulde wird seit mehreren Jahrtausenden Ackerbau betrieben, während sich in den Niederungen ausgedehnte Weideflächen (Hudewälder) befanden. In mehreren Schritten der gelenkten Landschaftsplanung wurde das Gebiet seit dem späten 17. Jahrhundert erheblich umgestaltet, und zwar durch die Anlage von einem der ältesten großen formalen Gärten (Oranienbaum) in Mitteleuropa und die Schaffung des überhaupt ältesten großen landschaftlichen Parks in Deutschland, der Wörlitzer Anlagen. Dabei können zahlreiche Beziehungen zwischen den naturräumlichen Gegebenheiten, der politisch-historischen Situation und der jeweiligen Form der Planung hergestellt werden. Das Buch erscheint 2010 im Verlag C.H. Beck in München.

 

Projekt PAN „Europäische Kulturlandschaften“ (Förderung durch die Europäische Union)

Unter Leitung der Universität Bergen fand sich eine Gruppe von europäischen Landschaftsforschern zusammen, die besonders hervorragende Beispiele historischer Kulturlandschaften in zahlreichen europäischen Ländern sammelten. Die Ergebnisse wurden im Internet publiziert; die Datenbank wird weiter ausgebaut. Eine Auswahl an historischen Kulturlandschaften wird in einem Buch präsentiert, das 2009 in einer deutschen Ausgabe erschienen ist (Knut Krzywinski, Michael O’Connell und Hansjörg Küster, Europäische Kulturlandschaften. Bremen 2009). Anfang 2010 folgen eine englische und eine norwegische Ausgabe.

Weitere Infos zum Thema Kulturlandschaften