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Auenlandschaften

Paläoökologische Untersuchungen zur spätglazialen und holozänen Entwicklung der Auenlandschaft im Flusssystem von Jeetzel und mittlerer Elbe

Beteiligte: Prof. Dr. Richard Pott, Falko Turner

Klimaschwankungen und anthropogene Eingriffe haben innerhalb der letzen 15.000 Jahre mitteleuropäische Flusslandschaften stark verändert. Mit den Spuren dieser Veränderungen im Flussystem von Jeetzel und Elbe beschäftigen sich die hier vorgestellten geowissenschaftlichen und paläoökologischen Untersuchungen. Ziel ist es, vergangene Landschaftsstrukturen mit ihren abiotischen und biotischen Elementen möglichst detailliert zu rekonstruieren. Neben einer geologischen Feinkartierung ehemaliger Flussverläufe, deren Überflutungs- sowie Niedermoorbereiche stehen dabei Stillgewässersedimente verlandeter Altarme als Archive für Klima- und Landschaftsgeschichte im Fokus. Diese Sedimente konservieren über Jahrtausende hinweg unter Sauerstoffabschluss nicht nur Sporen und Pollenkörner, sondern auch botanische Makroreste sowie Reste von Mikroflora und -fauna der ehemaligen Gewässer.

Im interdisziplinären Projekt werden von Projektpartnern (s.u.) und Mitarbeitern des Instituts für Geobotanik folgende Untersuchungen durchgeführt

  • Geologische Detailkartierung und digitale Geländemodellierung (Antje Schwalb, Falko Turner, Ullrich v. Bramann)
  • Paläopedologische Analysen an ausgewählten Bodenprofilen (Johann Friedrich Tolksdorf, Knut Kaiser)
  • Pollenanalysen an ausgewählten Sedimentkernen (Richard Pott, Falko Turner)
  • Makrorestanalyse (Felix Bittmann, Falko Turner)
  • Analyse der Ostracodenfauna (Antje Schwalb, Finn Viehberg)
  • Analyse der Diatomeenflora (Anja Schwarz)
  • Analyse der Chlorophyceenflora (Falko Turner)
  • AMS-Radiokarbondatierungen (Pieter M. Grootes)
  • Tephrochronologie ausgewählter Sedimentkerne (Cassian Braham-Law, Rupert Housley)

Erste Ergebnisse erlauben einen Einblick in die Entstehung der heutigen Flusslandschaft. Eine Abfolge verlandeter Flussrinnen konnte kartiert und über Pollenanalysen und Datierungen die jeweiligen Flussverläufe bestimmten Zeitscheiben zugeordnet werden. Insbesondere drei verschieden alte Rinnensysteme des Spätglazials ermöglichen es, Reaktionen des Flusssystems auf die teilweise drastischen Klimaschwankungen der Späteiszeit nachzuvollziehen. Analysen der verfüllenden Sedimente dieser drei Rinnengenerationen werden zu einer vom Meiendorf-Interstadial (in der Definition nach Usinger 1998) bis ins mittlere Holozän reichenden, nahezu lückenlosen Rekonstruktion der Vegetationsentwicklung der Region führen und neue Informationen über Sedimentationsgeschehen, Klimaentwicklung sowie Sukzession innerhalb der Gewässersysteme liefern. Die Entwicklung von einer glazialen Kältesteppe mit einem Braided-River-System hin zu einer mäandrierenden bewaldeten Flusslandschaft wird dabei räumlich und zeitlich hoch auflösend erfasst.

Die Studien stellen die ersten umfassenden Untersuchungen dieser Art im Elbe-Urstromtal dar und schließen damit eine Lücke in der Kenntnis der Landschaftsentwicklung der Fließgewässerlandschaften in Mitteleuropa.

Die geowissenschaftlichen Studien im Untersuchungsgebiet werden zudem durchgeführt in einem der größten Fundareale späteiszeitlicher Jäger und Sammler-Kulturen und sind inhaltlich eng verknüpft mit archäologischen Studien. Ausgrabungen weitgehend ungestörter Fundschichten in Hochflutsedimenten der Jeetzel durch das Niedersächsische Landesmuseum Hannover liefern mit bisher einzigartigen Funden neue Erkenntnisse zur Lebensweise der Spätpaläolithiker. Die interdisziplinäre Kombination von Geistes- und Naturwissenschaften trägt damit zum besseren Verständnis zur Interaktion von Mensch und Umwelt bei und erlaubt neue Erklärungsansätze zur Fragestellung, inwieweit die kulturelle Entwicklung in Mitteleuropa durch natürliche Prozesse gesteuert wurde.

 Die Untersuchungen sind Teil des mit Forschungsmitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur finanzierten Projektes:

Interdisziplinäre geowissenschaftliche und archäologische Untersuchungen zu den Bernsteinfunden vom Federmesser-Fundplatz Weitsche, Ldkr. Lüchow-Dannenberg

Projektpartner sind dabei neben den oben genannten:

  • Dr. Stephan Veil, Klaus Breest (Niedersächsisches Landesmuseum Hannover)
  • Prof. Dr. Antje Schwalb, Ullrich v. Bramann, Dr. Anja Schwarz Dr. Finn Viehberg (Institut für Umweltgeologie, Technische Universität Braunschweig)
  • Johann Friedrich Tolksdorf, Dr. Knut Kaiser (Archäologisches Seminar, Philipps-Universität Marburg bzw. Helmholtz-Zentrum Potsdam)
  • Dr. Felix Bittmann (Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung)
  • Prof. Dr. Pieter M. Grootes (Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung Kiel)
  • Dr. Rupert Housley, Cassian Braham Law (RESET, Department of Geography, Royal Holloway College, University of London bzw. Research Laboratory for Archaeology, Oxford)